Standpunkt: “Menschlichkeit in der Krise”
Posted in Allgemein on Juni 1st, 2009 by Wolfgang Falkner – 5 CommentsWie eine neue (oder alte) Verantwortungskultur in der Wirtschaft aussehen könnte, dieser Frage ging der bekannte Theologe O. Univ.-Prof. DDr. Paul Michael Zulehner in seinem Vortrag im Rahmen von “Wirtschaft weiter denken” der Wirtschaftskammer Salzburg in der Fachhochschule Salzburg nach.
Äußerst interessant fand ich seine Theorie des “ethischen Kompromisses”. Wer unter Ihnen hat sich nicht schon des Öfteren der Entscheidung zwischen wirtschaftlicher Ökonomie und idealistischer sozialer Verantwortung stellen müssen. Hier steht der verantwortungsvolle Unternehmer zwischen Rentabilitäts-Druck (Gewinnstreben) und normativem Druck (Menschlichkeit). Beide Seiten sind laut Prof. Zulehner in der Extremform zum Scheitern verurteilt. Die einen scheitern menschlich, die anderen wirtschaftlich. Für eine gesunde Gesellschaft sind aber beider Seiten wichtig. Ohne Wirtschaft ist auch kein Wohlstand, wie wir ihn kennen, möglich.
Zulehner fordert nun zum “ethischen Kompromiss” auf. Dieser beinhaltet 3 Schritte:
- Die Erkenntnis, dass niemand, also auch ich selbst, eine “reine Weste” hat. Man muss sich im Leben immer entscheiden – auch auf die Gefahr hin, jemanden menschlich zu verletzen.
- Hier fordert Zulehner nun die normative Pflicht, das kleinere Übel, die je größere Menschlichkeit zu wählen.
- Der Prozess ist dynamisch: sobald also die Möglichkeit zu noch mehr Menschlichkeit besteht, muss nachjustiert werden.
Ich bin sehr froh, dass ich bei diesem Vortrag dabei sein konnte und möchte Herrn Prof. Zulehner für seine klaren und sehr informativen Worte danken. Ich denke, dass dieser Ansatz des “ethischen Kompromisses” auch für innovative Wellness- und Gesundheitsanbieter sehr interessant sein kann. Zum Ziel eines Angebots sollte sich heute neben körperlicher, spiritueller Beweglichkeit mehr geistige, philosophische Beweglichkeit gesellen. Kreative Ideen sind gefragt!
